16. Internationales Kunstpädagogisches Forschungskolloquium

Thematischer Fokus:

»Politik der Erfahrung«
Zur aktuellen bildungspolitischen Brisanz von Erfahrung in Kunst, Bildung und Professionalisierungsprozessen

27. – 29. Januar 2023 an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen

Das internationale kunstpädagogische Forschungskolloquium befasst sich aktuell mit der bildungspolitischen Brisanz von Erfahrung in Kunst, Bildung und Professionalisierungsprozessen.

Mit dem Fokus auf die politische Dimension der Erfahrung soll ein im aktuellen Bildungsdiskurs häufig vernachlässigtes, kritisch-bildendes Potenzial diskutiert werden. Dabei wird diese jedoch nicht als unreflektierte Berufung auf Altbewährtes missverstanden, die durch einen reinen Selbstbezug den Horizont auch für Differenzen schließt. Aus phänomenologischer Perspektive ist Erfahrung aufs Engste mit unserem Körper respektive unserer Leiblichkeit verbunden und verdeutlicht dadurch eine grundlegende Art und Weise unseres Weltzugangs. Phänomenologie bezieht sich daher explizit auf den Erfahrungsbegriff und reflektiert Erfahrung im Vollzug in ihren korporalen, sensualen, situativen und temporalen Dimensionen und Widerständigkeiten.

Die Frage nach der politischen Relevanz der Erfahrung berührt aktuell auch das Problem der algorithmischen Einflussnahme. Sie ist mit der politisch wirksamen Möglichkeit verbunden, durch Steuerungsinstrumente die Qualität von Urteilen, Meinungen und Entscheidungen beeinflussen zu können. Zu fragen bleibt deshalb, ob und wie mit leib-sinnlichen Erfahrungen eine Widerständigkeit gegenüber totalitären Vereinnahmungen verbunden sein kann und wie mit dieser umzugehen ist.

Ein differenzierter Entfaltungsspielraum zeigt sich insbesondere in künstlerischen Praxen immer dann, wenn Menschen mit ihrer Kraft und ihrem Begehren in Kontakt kommen, möglicherweise aber auch mit dem, wovon sie sich lösen wollen. Die Künste tragen zu Öffnungen der Wahrnehmung bei und gehen mit Irritationen einher, die sich einer direkten Einflussnahme verweigern. Sie hinterlassen Bruchlinien im Erfahrungsverlauf und öffnen ihn aber gerade deshalb für Unbekanntes und Neues. Exemplarisch wird dies an der Wirkmacht von Bildern erfahrbar: »Bilder können uns treffen, sie appellieren an unsere Empfänglichkeit, an eine pathische Subjektivität und können uns in dem Sinne verwunden […] Genau deshalb können sie eine Realität bezeugen, für die uns die Worte fehlen.« (Käte Meyer-Drawe 2020: 101)

Die Beiträge des Kolloquiums werden insbesondere das Verhältnis von Praxis- und Wissenschaftsbezug durch bildungsphilosophische, phänomenologische und künstlerisch-performative Forschungs- und Qualifizierungsansätze thematisieren.

Vortragende: Judith Villiger (Zürcher Hochschule der Künste), Prof. Dr. Martin Weingardt (Pädagogische Hochschule Ludwigsburg), Manuela Guber-Djamy (Universität Bamberg), Prof.in Dr. Lisa Niederreiter (Hochschule Darmstadt), Prof.in Dr. Alexandra Hopf (Hochschule für Bildende Künste Dresden), Prof.in Dr. Ruth Mateus-Berr (Universität für angewandte Kunst in Wien), Prof.in Dr. Iris Laner (Universität Mozarteum Salzburg), Dr. Christiane Brohl (Universität Bremen), Prof.in Dr. Notburga Karl und Prof. Dr. Tobias Loemke (HfWU Nürtingen-Geislingen), Dr. Judith Küper (Westfälische Wilhelms-Universität Münster), Jana Röther (Studienrätin und Promovendin Kunstakademie Münster), Dr. Katja Böhme (Universität Hamburg).

Konzipiert und organisiert wird das Internationale Kunstpädagogische Forschungskolloquium zu Fragen der professionsbezogenen künstlerischen und ästhetischen Bildung von Prof.in i.R. Dr. Birgit Engel (Kunstakademie Münster), Prof. Dr. Tobias Loemke (HfWU Nürtingen) und Dr. Kerstin Hallmann (Universität Osnabrück).